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Vampire: Ihre Geschichte von 1431 bis heute

Autor: FREIZEIT REVUE Redaktion

Die Legenden sind oft so alt wie sie selbst: Vampire. Doch woher stammt der Glaube an die kalten Wesen, wann gab es die ersten Blutsauger und was macht einen echten Vampir aus? Lesen Sie’s hier nach!

Die Geschichte der Vampire
aum eine Legende hat sich über die Jahrhunderte derart hartnäckig in den Köpfen der Menschen festgebissen, wie die der Vampire. Egal ob als scheuer, blasshäutiger Grusel-Graf, gut aussehender Dandy, halb verwester Ratten-Freund oder romantischer Vegetarier-Vampir – Die Faszination an den Wesen der Nacht ist ungebrochen.

Vampir-Geschichtsstunde. 1431 wird in Transsylvanien Vlad III. geboren. Er erhielt die Beinamen "Tepes“ ("der Pfähler“) und "Draculea“ (eigentlich "Sohn des Drachen“, wurde aus dem Rumänischen aber oft falsch übersetzt mit "Sohn des Teufels“). Vlad war ein besonders grausamer Kriegsherr und pflegte seine Opfer am liebsten zu pfählen. Beispielsweise soll er ein übermächtiges Heer der osmanischen Türken dadurch abgewehrt habe, dass er ihre Vorhut lebendig auf große Holzpfähle spießen ließ, um die Nachrückenden in Panik zu versetzen. Die Taktik glückte. Darüber hinaus pflegte Vlad angeblich nach einer Schlacht sein Abendmahl umringt von toten Opfern einzunehmen und dabei sein Brot gelegentlich in das Blut der Sterbenden zu tunken. 1477 wurde der Tyrann ermordet und in einem Kloster bei Bukarest beerdigt. 1931 öffnete jemand sein Grab – und fand es leer vor. All diese Geschichten inspirierten den berühmten Vampir-Autor Bram Stoker angeblich zu seinem Roman Dracula (1897).

Vampirinnen sind nicht weniger gefährlich. Einer der ersten Berichte eines weiblichen Vampirs stammt aus dem Jahre 1560. Zu dieser Zeit wurde die ungarische Gräfin Elisabeth Bathory geboren. Um ewig jung und schön zu bleiben, soll die Adelige mehrere Hundert junge Mädchen umgebracht und anschließend in ihrem jungfräulichen Blut gebadet haben. 1610 wurde sie in ihr Schlafzimmer eingemauert und nur noch durch einen Spalt in der Wand ernährt. Vier Jahre später verstarb die "Blutgräfin“.

Die Zweifler. Natürlich glaubte auch damals längst nicht jeder an Vampire. Beispielsweise wurde 1755 Gerard van Swieten, Leibarzt der österreichischen Erzherzogin Maria Theresia, nach Mähren geschickt, um die dortigen Vampir-Fälle zu untersuchen. Auf Grund seines späteren Berichtes – jeder der Fälle sei rational zu erklären – verbot die Herzogin alle traditionellen Vampir-Abwehrmaßnahmen wie Pfählen, Köpfen oder Verbrennen. Auch Papst Benedikt XIV. (*1675, †1758) hielt Vampire für "Aberglauben“. Dennoch ist der Glaube an die Untoten nach wie vor lebendig. Erst 2005 wurde der Körper eines Bewohners des rumänischen Dorfes Marotinu de Sus ausgegraben, der zwei Jahre zuvor gestorben war. Er sollte angeblich als Vampir sein Unwesen treiben. Um dem ein Ende zu setzen, schnitten Familienangehörige der Leiche das Herz heraus, verbrannten es, vermischten die Asche mit Wasser und tranken das Gebräu.

Die wichtigsten Vampir-Merkmale

Merkmale eines Vampirs. Nicht jedes leere Grab macht den eigentlichen Bewohner gleich zum Vampir. Um zur untoten Spezies zu gehören, bedarf es einiger markanter Merkmale. Für Vampire gehört es sich, vor allem furchterregend zu sein. Viele Untote wandeln den zahlreichen Geschichten nach in ihrer alten, menschlichen Gestalt umher, ernähren sich ausschließlich vom Blut ihrer gequälten Opfer, haben kein Spiegelbild, scheuen die Sonne und schlafen deshalb tagsüber in todesähnlicher Starre in Särgen. Die Holzkisten sollen bevorzugt in den Kellern einsam gelegener Schlösser stehen. Ein fahler, ungesunder Teint gehört angeblich ebenso zu einem Vampir, wie die spitzen Eckzähne, eiskalte Haut und der fehlende Herzschlag – weswegen Vampire demnach auch nicht atmen müssen.

Unbesiegbar. In vielen Erzählungen werden Vampiren übernatürliche Kräfte zugeschrieben. Oft sind sie darin unsagbar schnell, stark, können sich lautlos bewegen, Wände hinauf klettern, Gedanken lesen oder sich sogar in Tiere verwandeln – bevorzugt in Fledermäuse. Dieser Glaube ist wahrscheinlich darauf zurück zu führen, dass es in Südamerika tatsächlich eine Fledermaus-Art gibt, die sich von Blut ernährt – jedoch meist von Tierblut. Eine der wenigen Schwächen der Vampire, die ihnen die Erzähler zugestehen: Oft können sie kein fließendes Gewässer überqueren und keine Türschwelle eines Hauses übertreten, in das sie der Besitzer nicht ausdrücklich eingeladen hat.

Ewiges Leben. Ein weiteres, wichtiges Merkmal: Vampire sind angeblich unsterblich. Das ewige Leben beschert ihnen in den Erzählungen zumeist Weisheit, Gewandtheit, Macht und Reichtum. Mit ihrem altmodischen Charme betören sie in Büchern und Filmen mühelos die hübschesten Frauen. Sie haben noch gelernt Damen in den Mantel zu helfen, ihnen die Tür aufzuhalten und den Stuhl am Tisch zurecht zu rücken. Trotz der vielen Jahrhunderte auf Erden soll man den Vampiren ihr Alter nicht ansehen. Angeblich altern sie entweder gar nicht, oder nur extrem langsam. Wenn doch, soll ihre Haut meist noch heller und durchscheinender werden. Sie verblassen regelrecht.

Was ein Vampir-Biss bewirken soll

Der Biss. In einem sind sich alle Geschichten einig: Vampire beißen ihre Opfer meistens in den Hals, genauer gesagt in die Halsschlagader – da ist am meisten zu holen. Über die Wirkung eines Vampirbisses streiten sich jedoch die selbsternannten Fachleute. In manchen Erzählungen wird jeder Gebissene automatisch auch zum Vampir. In anderen Fällen kann der Vampir steuern, ob das Opfer seiner Spezies beitritt, oder nicht. Wenn nicht, stirbt der Mensch, oder wird zu einer Art Zombie – einem willenlosen Diener des Vampirs. Wieder andere Autoren haben bestimmt, dass die Opfer erst selbst menschliches Blut kosten müssen, bevor die Verwandlung in einen Vampir beginnt.

Blutsbrüder. Der Biss eines Untoten soll also nicht zwangsläufig den eigenen Abschied bedeuten. Manche Vampire lassen Menschen angeblich sogar von ihrem eigenen Vampirblut kosten. Es soll gewöhnliche Sterbliche gesünder und stärker machen. Dieses Vertrauen zur menschlichen Rasse hat sich jedoch wohl erst über die Jahrhunderte entwickelt. Ebenso wie die Fähigkeit, der Sonne standzuhalten. Verbrannten Vampire früher angeblich noch bei Sonnenaufgang, sollen sie heute oft unbemerkt unter Menschen leben. Ebenso sollen sie gelernt haben, gegen Kreuze, Weihwasser, Knoblauch oder Silber immun zu sein. Die modernste Variante von Vampiren soll sich sogar nur noch Tierblut ernähren können, oder von synthetisch hergestelltem Blut aus Flaschen.

Dem Schrecken ein Ende bereiten. Nur eines ist immer gleich geblieben: Es soll überaus schwierig sein, einen Vampir zu töten. Eine Kugel in den Kopf reicht angeblich nicht. Vielmehr muss ein Vampir den Erzählungen nach gepfählt, geköpft, zerteilt, oder verbrannt werden – am besten noch alles zusammen, nur um ganz sicher zu gehen. Nicht jeder bringt es jedoch fertig, den Pflock im entscheidenden Moment tatsächlich zu heben. Oft ist das sein Verhängnis. In manchen Geschichten aber auch der Beginn einer großen Liebesgeschichte...