Gesundheit & Ratgeber

Experten-Tipps: Was tun bei Schlafstörungen?

Autor: FREIZEIT REVUE Redaktion

Schlafstörungen können krank machen. Die langfristigen Folgen von Schlafmangel sind neben einer erhöhten Infektanfälligkeit auch Depressionen, Vergesslichkeit und schnelleres Altern, so Experten. Wichtige Tipps für eine geruhsame Nacht geben Ihnen hier unsere Experten Prof. Dr. med. Georg Schürgers, Arzt für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Psychoanalyse aus Möhnesee und die Heilpraktikerin Gabriele Hedtmann, Inhaberin einer Praxis für Naturheilkunde und Gesundheitsprävention in Schwelm. 

Lesen Sie hier, was man gegen Schlafstörungen tun kann.

Warum ist guter Schlaf überhaupt so wichtig?

Experten-Antwort: Wer ständig schlecht schläft, kann schneller krank werden. Bei Schlafmangel scheidet der Körper das Stresshormon Kortisol aus. Die Folgen können Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magenprobleme und Erschöpfungszustände sein. Außerdem sind übermüdete Menschen fünf Mal häufiger als Ausgeruhte in schwere Unfälle verwickelt. Daneben macht, wie US-Forscher herausfanden, Schlafmangel auch noch dick. Wer wenig schläft, isst mehr als die Menschen, die viel schlafen. Nur beim Schlafen produziert der Körper appetitzügelnde Hormone.

Wie kommt es zu Schlafstörungen?

Experten-Antwort: Häufig sind Atmungsstörungen schuld, z.B. chronische Entzündungen in der Nase, Schnarchen oder ein Aussetzen der Atmung. Aber auch nächtliche Unruhe vom Zähneknirschen bis zum Schlafwandeln gehört zu den Ursachen. Schmerzen hindern einen ebenfalls am Schlaf. Oft ist auch seelischer Stress die Ursache von Ein- oder Durchschlafstörungen. 

Gibt es eine Einschlafhilfe ohne Gefahr einer Gewöhnung?

Experten-Antwort: Über Schlafen oder Wachen entscheiden bestimmte Botenstoffe im Gehirn, wie z.B. das Histamin, das eine erhöhte Aufmerksamkeit und Wachsein hervorruft. Mit einem Antihistaminikum wie dem Wirkstoff Doxylamin (z.B. in Hoggar Night Tabletten; rezeptfrei, Apotheke) lässt sich die Wirkung des Histamins aufheben. Im Gegensatz zu klassischen Schlafmitteln besteht bei Doxylamin keine Gefahr der Abhängigkeit und Gewöhnung; auch nach der Überbrückung einer schlafgestörten Phase mit Doxylamin ist das Einschlafen ohne das Präparat möglich. Der Wirkstoff greift nicht in die so genannte Schlafarchitektur ein. 
Doxylamin hat einen pharmakologisch genau geplanten Effekt, der einzig und allein auf die Schlafförderung abzielt. Das unterscheidet den Wirkstoff auch von pflanzlichen Präparaten, die meist eine Mischung aus Pflanzensaftextrakten sind und nicht so gezielt wirken. Mit dem Wirkstoff wird der natürliche Einschlafprozess beschleunigt, d.h. die Einschlafzeit wird verkürzt. Am Morgen nach dem Aufwachen fühlt man sich frisch und ausgeruht.

Warum haben manche Menschen, besonders Frauen gerade ab Mitte 40 starke Schlafprobleme. Woran könnte es liegen?

Experten-Antwort: Da Hormone den Schlaf steuern, schlafen Frauen häufig unruhiger und schlechter als Männer. Besonders leidet die Schlafqualität mit Beginn der Wechseljahre. Der Grund: es fehlen Östrogene. Doch auch die Psyche spielt eine wichtige Rolle: Doppelbelastungen oder Unzufriedenheit können den Schlaf rauben. Wenn Sie über mehr als einen Monat drei Mal pro Woche wach werden, sollten Sie einen Gesundheitscheck durchführen lassen. Die Bestimmung der Hormone, auch der Schilddrüsenhormone, kann Aufschluss über die Gründe geben.

Kann man auch durch die abendliche Ernährung Einfluss auf die Schlafqualität nehmen?

Experten-Antwort: Ja, z.B. mit Fenchel-, Kümmel-, Melissen- oder Hopfentee (wobei hiermit nicht die Umschreibung von Bier gemeint ist). Alle Heilpflanzen haben eine beruhigende Wirkung. Verzehren Sie zudem Bananen, Birnen, Nüsse oder Kartoffeln, sie enthalten Vitamin B, das ebenfalls beruhigend wirkt. Pürierte Gemüsesuppen sättigen vor dem Schlafengehen, ohne den Magen zu überlasten. Auf Kaffee, Alkohol und Schokolade sollten Sie möglichst verzichten. So braucht der Körper etwa vier bis sieben Stunden, um den Muntermacher Koffein abzubauen. Alkohol macht zwar müde, unterdrückt aber die wichtigen Traumphasen. Auch Schokolade ist ein Muntermacher, da sie Theobromin enthält, das das zentrale Nervensystem anregt.

Gibt es Tipps, womit man besser einschläft?

Experten-Antwort: Schalten Sie Störquellen aus. Dazu gehören aufregende Krimis vor dem Schlafengehen genauso wie Streitgespräche. Auch Lichteinfall durch Autoscheinwerfer oder Straßenlaternen lässt Sie schlechter einschlafen. Wenn Sie einen Raum nur zum Schlafen nutzen, stellt sich dort automatisch Müdigkeit ein. Das Bett sollte nicht zum Fernsehen, Lesen oder Essen genutzt werden. Hilfreich sind auch Einschlafrituale, wie die beliebte Milch mit Honig, ein wenig ruhige Musik oder eine kurze Geschichte.

Wie viel Schlaf ist normal?

Experten-Antwort: Das ist individuell sehr verschieden. Der eine kommt mit sieben Stunden oder weniger aus, der andere braucht neun. Es gibt Kurz- und Langschläfer - jeder sollte für sich herausfinden, zu welchem Typ er gehört, und die persönliche Schlafdauer möglichst einhalten. Natürlich kann jeder gelegentlich mit weniger Schlaf auskommen, z.B. nach einer Party. Das sollte allerdings kein Dauerzustand sein, denn Schlafmangel macht alt, weil kranke und alte Körperzellen nicht mehr schnell genug ersetzt werden.

Was kann ich bei plötzlichem Aufwachen in der Nacht tun?

Experten-Antwort: Kein Mensch schläft fest durch. Normal ist es, dass man bis zu 28 Mal in der Nacht aufwacht, sich meist kurz umdreht und weiter schläft. Wenn Sie jedoch nicht wieder einschlafen können, sollten Sie an etwas Positives denken. Sagen Sie sich, wie wunderbar es ist, dass Sie noch nicht aufstehen müssen. Kommt starke Unruhe auf, ist es besser, aufzustehen und z.B. ein Glas warme Milch zu trinken oder das Geschirr abzuwaschen. Diese kurzzeitige Ablenkung genügt oft, um weiterschlafen zu können.

Wann sollte man bei Schlaflosigkeit zum Facharzt gehen?

Experten-Antwort: Wenn Ihre Schlafstörungen über mehrere Wochen anhalten, sollten Sie zum Arzt gehen. Es kann auch körperliche Auslöser für die Unruhe geben. Wenn Sie schnarchen, kann ein HNO- oder Lungenfacharzt die Atemstörung behandeln. Finden sich keine körperlichen Ursachen, so kann ein Schlafmediziner zur Klärung des Problems beitragen. Dieser bittet Sie vielleicht in ein Schlaflabor, um hier Aufschluss über Schlaf- und Wachphasen zu erhalten. Anhand des Schlafmusters kann die weitere Therapie bestimmt werden.

Wieso sagt man "Morgenstund hat Gold im Mund"?

Experten-Antwort: Der Spruch hat vor allem pädagogische Gründe. Statistisch wird er nicht belegt, denn danach steht der Normalschläfer um 6.18 Uhr auf und geht um 23.04 Uhr zu Bett. An der Entstehung dieses Spruches hat möglicherweise auch die Kirche mitgewirkt. Zu viel Schlaf galt als lasterhaft. Das morgendliche lange Ausschlafen wurde mit Sünde und Faulheit assoziiert.